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| Weserkurier
22.11.2006 Meryem Kaymaz und ihre Familie leben als geduldete Ausländer in Bremen / Dokumentarfilm schildert Schicksal der 19-Jährigen Von unserem Mitarbeiter Thomas Andre
Sie ist eine von 3700 Ausländern, die
ohne dauerhaftes Bleiberecht in Bremen lebt.Ihre Stimme ist noch
ziemlich heißer, so viel geredet hat sie vergangene Woche in
Nürnberg.
Dort trafen sich die Innenminister der Länder, um eine neue
Regelung
für "geduldete" Ausländer in Deutschland zu finden. Dort
trafen sich
auch "Jugendliche ohne Grenzen" aus ganz Deutschland - junge Menschen,
die teilweise ihr ganzes Leben hier verbracht haben. Und die trotzdem
nicht von ihrer Heimat als deren Bürger anerkannt werden.
"Für meine
Familie bringt der Beschluss von Nürnberg keine Besserung",
erklärt die
19-jährige Meryem.Wer mindestens sechs Jahre in Deutschland lebt
und
einen Job hat, soll künftig ein dauerhaftes Bleiberecht bekommen.
"Aber
wir gelten als Türken - und könnten deshalb abgeschoben
werden",
berichtet die lebhafte junge Frau, die eloquent ist und
durchsetzungsfähig. Bei Innensenator Thomas Röwekamp sei sie
persönlich
gewesen, "aber der sagt nur, dass ich als Härtefall alleine in
Bremen
bleiben könnte".Ohne die Eltern. Die sind gebürtige
Libanesen, auch
Meryem ist in Beirut geboren. Doch leider hat der Großvater die Familie
zu Zeiten des Bürgerkriegs auch in der Türkei gemeldet. Vor
sieben
Jahren war das. Seitdem hat die Bremerin, die die ersten zehn Jahre
ihres Lebens in Nordrhein-Westfalen lebte, eine doppelte
Identität.
Eine "Identitätsfälschung" nennt die
Ausländerbehörde die in Notzeiten
vorgenommene Meldung in der sicheren Türkei.Deswegen musste der
Vater,
der nun formal Türke ist, seinen Laden schließen, und auch
seine Kinder
waren fortan nur noch geduldet in Bremen. "Ich darf mich nur hier
aufhalten", sagt Meryem, die derzeit auf der Abendschule ihren
Realschulabschluss macht. Später möchte sie Abitur machen und
Jura
studieren. "Ich bin erwachsener als andere in meinem Alter."Das musste
sie werden - spätestens, als die Polizei frühmorgens vor der
Tür stand.
Sie hat erst spät erfahren, dass sie nur eine "Geduldete" ist. Auf
ihrem Ausweis steht eine noch bedrohlichere Formulierung: "Aussetzung
der Abschiebung". Ein dicker roter Strich verläuft quer über
das
offizielle Dokument, das doch eigentlich "nur ein Stück Papier
ist",
wie die Teenagerin ratlos sagt.Wie ein Strich durchs Leben sei die
Störrigkeit der Behörden, "ich habe auf so viel verzichtet".
Weil sie
Bremen nicht verlassen dürfe, sei sie noch nie im Ausland gewesen.
"Ich
habe schon vier Ausbildungsplätze gehabt, die dann doch andere
bekommen
haben". Dabei wolle sie unbedingt arbeiten. Aber die Arbeitgeber
stellen
dann eben doch keine "Geduldete" ein, die jederzeit abgeschoben werden
kann. Ohne Aufenthaltserlaubnis kann sie nicht arbeiten. Meryem Kaymaz
ist eine Kämpferin, die weiß, wie demütigend der Gang
zu den Ämtern
ist. Sie hat sich dort manchmal mit den Sachbearbeitern gestritten,
"die haben meine Eltern unmöglich behandelt". Deren Schicksal liegt ihr
besonders am Herzen, "ich selbst werde mein Bleiberecht irgendwann wohl
bekommen".Ihrem Vater gehe es nicht gut, "er nimmt Tabletten".
Gestritten werde zu Hause jetzt oft, früher sei das nicht so
gewesen.
"Jeder sollte so leben können, wie er will - mein Vater kann das
schon
lange nicht mehr."In dreieinhalb Zimmern lebt die Familie in Walle.
"Wir könnten es besser haben, wenn wir arbeiten dürften." Sie
hasse es,
als Schmarotzer dargestellt zu werden, "das sind wir nicht". "Ich werde
nicht aufgeben, bis wir alle endgültig hierbleiben dürfen."
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08.05.2006